Ich habe gerade meine Krankenversicherungskarte in einem Spalt der Verschalung meiner Handbremse im Auto versenkt und eine halbe Stunde damit verbracht, sie mit Hilfe eines Drahtes, vier Stricknadeln, einem Kaugummi, drei Pinzetten und etwas Stiefelfett wieder herauszubekommen. Ausserdem habe ich begonnen "Forbidden Siren" (zehn Euro gebraucht, bekommt man selten unter 40) zu spielen, welches zu recht als frustrierendstes Survival-Horrorspiel aller Zeiten gilt. Darum werde ich ein Bisschen zur Entspannung schreiben.
Tja, die Dark Materials Triologie, bei uns Namenlos aus den Bänden "Der Goldene Kompass" (Northern Lights), "Das Magische Messer" (The Subtle Knife) und "Das Bernsteinteleskop" (The Amber Spyglass) bestehend rangiert bei uns unter Kinderbüchern, da die beiden Hauptcharaktere, das Mädchen Lyra und ab dem zweiten Band der Junge Will dreizehn und zwölf Jahre alt sind. Dennoch würde ich heute sagen, dass zumindest der erste Band aufgrund seiner seltenen, aber recht grafischen Brutalität nicht unbedingt für dieses Alter geeignet sind.
Die Reihe beginnt in einer Welt, die geographisch der unseren entspricht. Allerdings wurde dort einst Johann Calvin zum Papst ernannt, worauf sich dir christliche Kirche einerseits einte, andererseits durch abschaffung des Papsttums in eine Unzahl von Räten und Behörden zerfiel, die es schafften ihre Macht in allen Bereiche des Lebens unumstritten zu erhalten. Forschung wird nur von Geistlichen betrieben, eine Art der Physik entwickelte sich als Experimentaltheologie. Geforscht wird in Kapellen und jedes Ergebnis anhand der Bibel ausgelegt oder als ketzerisch unterdrückt. Die Technik ging demnach andere Wege, Dinge haben andere Namen, es wurde nur wenig Wert auf Konsum gelegt, aber das Atomzeitalter wurde erreicht.
Es Entwickelte sich keine Demokratie in Europa, Britannien hat sich bis nach Holland ausgebreitet, das Deutsche Kaiserreich besteht unangefochten, ebenso wie das Zarentum in Russland ("Moskowiterreich"). Letzteres wird jedoch von starken Tatarenstämmen bedroht. Die USA existieren nur als Neufrankreich und Neudänemark. (zu letzterem gehört auch ein Staat namens Texas)
Gleichzeitig trägt jeder Mensch dieser Welt einen Teil seiner Seele ausserhalb des Körpers, dargestellt durch einen sogenannten "Daemon", welcher in der Kindheit die Gestalt beliebig wechseln kann, nach der Pubertät aber die Gestalt eines bestimmten Tieres annimmt, an welchem man angeblich den Charakter des Menschen erkennen kann.
Dieser Daemon ist ein untrennbarer Teil des Menschen und kann sich normalerweise nicht weiter als einige Schritt vom Besitzer entfernen, bevor sowohl körperliche als auch emotionale Schmerzen einsetzen. Die Zerstörung des Daemons führt beim Menschen üblicherweise zu einem tödlichen Schock, beim Tod des Menschen zerfällt der Daemon binnen Sekunden zu Staub.
Durch spezielle Techniken ist es dennoch möglich Daemon und Mensch zu isolieren. So können sich Hexen beliebig weit von ihren Begleitern entfernen, ohne das das Band zerreist. Ausserdem gibt es gerüchte von afrikanischen und tartarischen Stämmen, die Gefangenen ihre Daemonen auf geschickte Art und Weise entreissen, so dass der Mensch am Leben bleibt, aber nicht viel mehr, als ein willenloser und emotionsloser Körper ist. Meist hält man das für Schauermärchen, denn der Autor vergleicht, dass ein Mensch ohne Daemon genauso gut ein Mensch ohne Kopf ein Mensch mit aufgesägtem Brustkorb und herausgerissenem Herzen sein konnte.
Diese Wesen können sprechen, richten sich aber nur selten an einen anderen Menschen als ihren Besitzer, der üblicherweise vom anderen Geschlecht ist als sein Daemon. Was ein seltener, gleichgeschlechtlicher Daemon für Auswirkungen hat, wird im Buch nicht erwähnt.
Während Interaktion zwischen Daemonen, vor allem bei Kindern, häufig ist, ist das Berühren eines Fremden Daemons durch Menschen ein Tabu, das nicht einmal im Krieg gebrochen wird. Scheinbar ist es auch fragwürdig einen Daemon zu erschießen um den Menschen zu töten.
Ein Mensch ist so niemals allein, ein Gesprächspartner, der helfen kann das Leben zu meistern, da er einen besser kennt als jeder Andere, aber nicht zwangsläufig die selbe Meinung und die gleichen Gedanken haben muss, ist immer vorhanden. Gleichzeitig kommt man zwangsläufig auf den Gedanken, wie verwundbar ein Mensch mit Daemon ist:
Ein Teil der Seele und auch ein Teil des Denkens ist immer entblößt. Oft wird im Buch beschrieben, das Menschen kalt Lügen können, ihre Daemonen dabei jedoch unruhig werden.
Auch die Gestalt des Daemons, für manche Ausdruck des Charakters ist ein wunder Punkt: Ist der Daemon beispielsweise ein kleines Insekt, ist die Gefahr durch einen Unfall zu sterben verständlicherweise sehr hoch. Ein nicht flugfähiger Daemon kann schon durch einen Sturz von einige Metern vom Menschen abgerissen werden. Im Buch wird ebenso beschrieben, dass der Daemon eines Schiffsjungen nach dessen Pubertät die Gestalt eines Delphins annahm, so dass dieser nie wieder an Land gehen konnte - aber ein vorzüglicher Navigator wurde.
So sehr ich Fanfictions verabschäue, diese Welt juckt mich in den Fingern. Naja, auf keinen Fall bevor ich die Geschichte mit dem Kühlhaus fertig habe.
Das nächste Mal: Die Charakterähnlichkeiten der Dark Materials Reihe mit den Grundkonstelationen von Anime.