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Felix M. Hummel
02 March 2009 @ 08:00 pm
Es gibt Leute, die man einfach hassen muss. Darunter fallen einige Autoren. Gerade lese ich ein Buch über Mittelalterliche Glastechnik, welches sehr nutzlos ist, da der Autor das Hohlglas wider anderer Behauptungen einfach ausser Acht lässt und sich auch bei den Verarbeitungstechnicken des Flachglases hauptsächlich auf die Malerei und kaum auf die Glaserei beschränkt.
Die zweite Unsitte dieses Hochgelehrten Herren ist es, übermäßig viele wörtliche Zitate zu bringen, von welchen er keines, sei es nun französisch oder altfränkisch übersetzt. Manche Abschnitte kann man also einfach überspringen, weil man mangels Lateinkenntnissen sowieso nichts verstehen kann. Schließlich bleibt der Sinn hier oft verborgen, während man sich jenen aus alten deutschen und französischen Dialekten noch zusammendichten kann. Eine besondere Stilblüte ist jener Satz:

"Für den Schliff von Gemmen liegt nun aber eine Beschreibung bei Plinius [welchem? dem älteren oder dem jüngeren? soll ich das nun extra nachschlagen?] in seiner "Historia naturalis" vor, nach der kleine Diamantsplitter verwendet wurden, die "expetuntur hae scalptoribus", da "nullam non duritiam ex facili cavantes"" (S. Strobl, Glastechnik des Mittelalters (Stuttgart 1990) 105f.)
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Felix M. Hummel
Ich habe sehr, sehr lange gebraucht um die Kurzgeschichtensammlung "Blind Willow, Sleeping Woman" des japanischen Autors Haruki Murakami zu lesen, da ich viele Bücher für die Uni durcharbeiten musste. Jetzt, nachdem ich auch die letzte Geschichte gelesen habe, kann ich endlich eine Aussage zu diesem Buch treffen.
Sie lautet "Hä?". Ein sehr positives "Hä?" auf hohem Niveau. Ich glaube das muss ich etwas näher erklären.
Keine seiner Geschichten scheint auf den ersten Blick Sinn zu machen, dennoch verschlingt man sie, da er über einen hervorragenden Wortschatz verfügt, beschwingt aber auch träge schreiben kann und Metaphern verwendet, die gleichsam so treffend und so weit hergeholt erscheinen, dass ich keinen zweiten Autoren nennen kann, der so etwas schaffen würde. Eine leichte Seebriese gleich auf der ersten Seite als aufplatzende Frucht bezeichnet, deren Fleisch reisst und ihre Samen wie "gentle buckshot" -also zarter Postenschrot (Schrotkörner mit Durchmesser über 4mm)- beschrieben.
Gleichzeitig sind in jeder Geschichte tausende von Anspielungen, Verknüpfungen und Allegorien -teilweise auf die Geschichte oder deren Nebenhandlung selbst- zu erkennen, die alle für sich genommen oft keinen Sinn zu machen scheinen. Fasst man sie zusammen, kommt man allerdings auch auf keinen grünen Zweig. Man merkt, dass vermutlich alles vom Autoren eingebaut wurde, nur um den Leser zum Nachdenken zu animieren, sei es das komplette Fehlen der Phantasie des Zeichners Toni Takitani, die Widerwärtigkeit der aufgedunsenen, blinden Krähen, die über den Geschmack der Kuchen der Firma "Sharpie" entscheiden, oder Absurdität eines sprechenden Affen, welcher, kleptomanisch veranlagt wie er ist, Leuten die Namen stiehlt. Jede Geschichte scheint aus Ideen, vielleicht sogar aus Träumen des Autors zu bestehen, die er in eine Geschichte verarbeiten musste, ohne dabei darauf zu achten, ob er damit wirklich zu einem Ende kommen könnte.
Nach jeder seiner Kurzgeschichte die man ließt, fühlt man sich auf irgendeine seltsame Art alleingelassen, verloren als wäre man vom Schreiber mit einem Fußtritt in eine Welt geschleudert worden, deren Gesetze er erfunden hat, aber genausowenig versteht. Verzweifelt versucht man Anfangs noch das Kneuel der Metapher zu entwirren, bis man zu dem Schluss kommt, einfach darüber nachzudenken, ohne ein großes Ziel zu erwarten.
Die Geschichte "Tony Takitani" wurde anscheinend verfilmt, denn ich kann mich entfernt erinnern vor Jahren einmal das Ende gesehen zu haben.
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Felix M. Hummel
27 April 2008 @ 10:19 pm
Auf der suche nach einem guten alten "Spirou und Fantasio"-Comic stieß ich auf einen äußerst ungewöhnlichen Band von André Franquin: "Idées Noires".
Viele Leute werden wissen, dass Franquin in den sechzigern und siebzigern in eine tiefe Depression verfiel (wie viele der belgischen Comicmeister), daraufhin seine "Spirou und Fantasio"-Reihe abbrach, die Rechte am Marsupilami an Disney verkaufte (später hohlte er sie sich wutentbrannt wieder zurück) und nur noch Gaston-Comicstrips zeichnete. Die Schwarzen Ideen sind in dieser Zeit entstanden und spiegeln die ganze Scheußlichkeit seiner Stimmung wieder.
Scheußlich ist das richtige Wort. Die Strips sind widerwärtig, grässlich und übermäßig Brutal. In klecksigen Schwarzweißzeichnungen, die fast nur aus dunklen Flecken bestehen erzählt Franquin makabere Episoden von Selbstmord, Verstümmelung, Unfällen, Mord und Folter, wobei zu guter Letzt nicht einmal Gaston verschohnt wird. Dem Ganzen ist deutlich die Sehnsucht nach Frieden, dem Bewusstsein der Menscheit, dass sie sich selbst vernichtet, Vernunft und radikalem Tierschutz zu Grunde gelegt. Diese Ideen werden bis zum Wahnsinn übersteigert und zeigen somit ihre gesamte Hoffnungslosigkeit auf.
Manche der Strips sind auf ihre makabere Art recht humorvoll, doch die große Mehrzahl ist deprimierend oder schlimmer noch abstoßend und ekelerregend. Nicht jede Pointe trifft, oft ist auch überhauptkeine eingeplant (oder ist etwas daran komisch, dass einem Menschen von einem großen Felsklotz die Eingeweide herausgepresst werden?).
Dennoch ist offensichtlich, dass dieses Werk weder hirnloser Splatter noch trendig-düsteres Emo-Gegreine ist, sondern Ausdruck echter Hilflosigkeit im Angesicht der grausamen Welt. Nach dem Lesen bleibt man in ebenso Hilflos zurück, mit schlechter Laune über welche man sich immer wieder fragt, weshalb man sie eigentlich habe.
Zum Lesen empfehle ich einen sonnigen, angenehm kühlen Tag. Am besten in einer belebten Fußgängerzone, weit ab von scharfen Gegenständen, Stricken, Schusswaffen oder Autos.
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Felix M. Hummel
10 April 2008 @ 12:37 am
Habe mir gerade "Der Wert der Demokratie" angesehen. Hier zeigt sich sehr gut, dass die Menschheit nicht lehrnt. Niemals. Alles was in der Geschichte geschehen ist, kann wieder passieren und wird es irgendwann auch, da unsere Art nicht fähig ist über unseren eigenen Schatten zu springen. Da Tiere nicht foltern muss dieser immer wieder auflebende Drang ein angeborener geistiger Defekt der Spezies sein, der sich niemals ausmerzen lassen wird. So wie bei Eisbären, bei welchen grundloser Kanibalismus und das töten der eigenen Nachkommen den Zoologen Rätsel aufgeben. Die Menscheit sieht ihre eigenen Fehler sehr wohl und versucht sich vor sich selbst zu schützen, doch unsere eigene Anpassungsfähigkeit bringt uns dazu uns immer wieder selbst in den Rücken zu fallen. Das Wort "Menschlichkeit" selbst halte ich für zynisch und unangebracht, weil alles gute, was uns ausmacht auch bestimmten Tieren zu eigen ist, das Übelste und Bestialischste was wir zu tun vermögen weit über den schmalen Horizont der Grausamkeiten aller nichtmenschlichen Arten hinausgeht. Es gibt für uns keine Rettung vor uns selbst, vielleicht aber für den Rest der Welt. Hobbes hatte recht. Auch wenn jeder Versuch einer Zähmung unseres Wesens auf dauer fruchtlos sein wird, muss es immer wieder aufs Neue versucht werden, denn sonst löst sich das Problem ein für alle Male von selbst. Das, wäre allerdings für unsere Opfer auch kein Nachteil.
Ich lese gerade Wells' "The Island of Dr. Moreau", was aufgrund der alten Ausdrücke im Englischen keine leichte Aufgabe ist, aber es ist eindeutig ein gutes Buch. Im Gegensatz zu allen Verfilmungen zeigt der Autor hier Moreaus Methoden um aus Tieren Menschen zu machen in der vollen Grausamkeit der Wissenschaft. Kein Wundermittelchen, keine Injektionen sonder brachialste chirurgische Eingriffe finden hier Anwendung. Es handelt sich um Vivisektionen (daher nimmt also das Spiel "Vivisector" seinen Titel, die Programmierer müssen das Buch zumindest aufmerksam gelesen haben)Wells spricht vom Schnitzen, vom Aufpressen des Stempels der menschlichen Form und sogar von "human taint", der Befleckung mit Menschlichkeit. Hier hat der Doktor auch keine höheren Ziele, er tut es aus reinem Intresse, aus reiner Möglichkeit, nicht einmal aus Machtgier, denn seine Schöpfungen interessieren ihn nicht mehr, sobald sie fertig sind.
Hätte Moreau den umgekehrten Weg gewählt, der Prendick zu Beginn so schokiert, dass er sich lieber ohne lange nachzudenken im Meer ertänkt hätte als ihn zu beschreiten, ich wette, das Buch hätte ein gutes Ende genommen.
 
 
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Felix M. Hummel
31 March 2008 @ 11:04 am
Gestern habe ich endlich die Verfilmung der Strugatzki-Geschichte "Die Hässlichen Schwäne", "The Ugly Swans" zu Ende angesehen. Nicht unbedingt mein zukünftiger Lieblingsfilm aber durchaus solide gemacht erfasst er gut die Grundidee der Geschichte und übernimmt wichtige Passagen wörtlich. Dabei ist es nicht einfach nur eine Nacherzählung des Originals, sondern geht als Film schließlich völlig eigene Wege. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dies der erste Film ist den ich gesehen habe, der schlechter ausgeht als seine literarische Vorlage. Während sich am Ende der Geschichte alles im wahrsten Sinne des Wortes in Wohlgefallen auflöst und eine Art angenehmer Fiebertraum vorgegaukelt wird, tritt im Film das Worst-Case-Szenario ein, welches in der Vorlage nur dauernd angedroht wird. Alles endet schließlich in Entwurzelung und Verzweiflung.
Die Nässlinge oder Brillenschlangen (im Originalton irgendwas was sich wie "Magrizie" anhört, in den englischen Untertiteln das seltsame "Aquatters") sind in etwa so dargestellt, wie sie im Buch beschrieben werden, allerdings ohne den Brillenförmigen Ausschlag um die Augen.
Was etwas stört ist, dass die Geschichte, wie auch schon in Stalker, zu einhundert Prozent ernsthaft umgesetzt wurde. Das Augenzwinkern, der Humor, der in der Tragik so typisch ist für die Strugatzkis, wurde vollkommen weggelassen. Keine Saufgelage finden statt und keine idiotischen philosophischen Gespräche. Auch der Zonencharakter, der für die Stadt erschaffen wurde, gefällt mir nicht. Da keine Zivilisten mehr in der Gegend sind, können sie auch nicht für ihre Kinder auf die Straße gehen. Der Film brachte sich damit um eine sehr gute Szene.
Zu guter letzt ist zu sagen, dass meine Übersetzung etwas verdächtig war, da die Leute oft sehr lange reden und man nur einige Wörtchen übersetzt bekommt.

Die Ohnmächtigen habe ich auch endlich ausgelesen, was wirklich einmal eine harte Nuss war. Dieses von Boris Strugatzki im Alleingang geschaffene Werk ist alles in allem etwas langatmig. Die Idee ist gut: Eine Anzahl von magisch begabten Menschen im modernen Russland, allesamt besitzen sie je eine sehr mächtige Fähigkeit, sind aber unfähig irgendetwas zu verändern, zu verbessern. Sie arbeiten in mittelständischen Berufen, für welche sie aufgrund ihrer Begabungen besonders geeignet sind (z. B. Wadim, alias "Resultig Force", der in gewissem Maße die Zukunft verändern kann als Meteorologe, "Beelzebub", der Insekten kontrollieren kann als Kammerjäger und "Polygraf Polygrafowitsch" als Lügendetektor bei einer Detektei) und treffen sich hin und wieder, damit der Kontakt zueinander nicht abreisst. Schließlich gerät Wadim in den Zwang für einen Großkriminellen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl zu verändern, doch auch hier zeigt sich letzten Endes, dass keiner von ihnen das Schicksal verändern kann und sich alles so entwikelt, als gäbe es sie gar nicht.
Dem nichtrussischen Leser (oder vielleicht auch Russen, die sich mit Literatur nicht auskennen) wird die Lektüre dadurch stark erschwert, dass der Autor eine wahre Flut von Zitaten und Wortspielen aus der klassischen bis rezenten, hauptsächlich russischen (aber nicht nur) Literatur einflicht. Dies ist das erste Mal, dass ich einen Übersetzer wirklich loben kann: Ich weiß nicht, wie gut er seine Sache macht, aber seine Bemühungen einem mit Fußnoten und Kommentaren weiterzuhelfen sind sehr lobenswert. Leider habe ich erst gegen Ende des Buches herausgefunden, dass es auf den letzten Seiten einen Register für die einzelnen Zitate und Wortspiele mit Erklärung der Herkunft und Bedeutung gibt.
Wie gesagt, das Buch hat zwar den typischen Stil der Strugatzkis, aber ihm fehlt im gewissen Maße der Schwung. Die Geschichte läuft nicht richtig, sie schafft es auch nicht zu fesseln. Der Grund dafür mag sein, dass der Leser nicht wie bei den Werken der beiden Brüder vollkommen im Dunkeln über die Wahrheit gelassen wird, sondern hier eine vollkommen plausible Version vom ersten Kapitel an geliefert bekommt. Bis zwei Seiten vor Schluss glaubt man also sicher zu wissen worum sich alles dreht und erwartet die Überraschung, die man geliefert bekommt nicht.
 
 
Felix M. Hummel
19 August 2007 @ 06:06 pm
Die Geschichte in Dark Materials dreht sich, was im ersten Band noch kaum zu tragen kommt, um den klassischen Kampf von "Gut" und "Böse", ja um genau zu sein sogar um den klassischsten aller Kämpfe dieser Art: Gottes Herrschaaren treten gegen die des Teufels an. Natürlich verkörpert keine Seite das, was sie eigentlich im Klischee sein sollte. Dabei neigt man jedoch schnell dazu die Seite der "Höchsten Autorität" mit starkem Abschäu gegenüber ihren Handlungen zu betrachten. Die Seite des Teufels, welcher im Gegensatz zu Gott niemals erwähnt wird, wird so dargestellt, dass sie für die Befreiung des Menschen eintritt.
Der Sündenfall war dabei der erste Schritt, denn die Schlange führte Eva und Adam aus der Bevormundung und Versorgung durch Gott in die Eigenständigkeit, was der klassischen satanistischen Haltung entspricht.
Um vollständig Frei zu sein sieht Lord Asriel, ein englischer Gentleman, nur eine Lösung: Den Krieg im Himmel erneut aufflammen zu lassen und die "Höchste Autorität" zu stürzen.
Ich könnte das ganze noch genauer beschreiben, da ich mich aber absolut nicht mehr daran erinnern kann, wie die Bücher ausgehen, drohe ich mich in Widersprüche zu verwickeln. Ich muss erst den dritten Band wieder lesen. Da dieser 590 Seiten umfasst, kann das ein wenig dauern.
Ich kann jedoch sagen, dass die Szene in welcher der texanische Aeronaut Lee Scoresby und Hester erschossen werden, die erste war, die mich in einem Buch jemals richtig mitgenommen hatte.
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Felix M. Hummel
10 August 2007 @ 08:52 pm
Ich habe gerade meine Krankenversicherungskarte in einem Spalt der Verschalung meiner Handbremse im Auto versenkt und eine halbe Stunde damit verbracht, sie mit Hilfe eines Drahtes, vier Stricknadeln, einem Kaugummi, drei Pinzetten und etwas Stiefelfett wieder herauszubekommen. Ausserdem habe ich begonnen "Forbidden Siren" (zehn Euro gebraucht, bekommt man selten unter 40) zu spielen, welches zu recht als frustrierendstes Survival-Horrorspiel aller Zeiten gilt. Darum werde ich ein Bisschen zur Entspannung schreiben.

Tja, die Dark Materials Triologie, bei uns Namenlos aus den Bänden "Der Goldene Kompass" (Northern Lights), "Das Magische Messer" (The Subtle Knife) und "Das Bernsteinteleskop" (The Amber Spyglass) bestehend rangiert bei uns unter Kinderbüchern, da die beiden Hauptcharaktere, das Mädchen Lyra und ab dem zweiten Band der Junge Will dreizehn und zwölf Jahre alt sind. Dennoch würde ich heute sagen, dass zumindest der erste Band aufgrund seiner seltenen, aber recht grafischen Brutalität nicht unbedingt für dieses Alter geeignet sind.
Die Reihe beginnt in einer Welt, die geographisch der unseren entspricht. Allerdings wurde dort einst Johann Calvin zum Papst ernannt, worauf sich dir christliche Kirche einerseits einte, andererseits durch abschaffung des Papsttums in eine Unzahl von Räten und Behörden zerfiel, die es schafften ihre Macht in allen Bereiche des Lebens unumstritten zu erhalten. Forschung wird nur von Geistlichen betrieben, eine Art der Physik entwickelte sich als Experimentaltheologie. Geforscht wird in Kapellen und jedes Ergebnis anhand der Bibel ausgelegt oder als ketzerisch unterdrückt. Die Technik ging demnach andere Wege, Dinge haben andere Namen, es wurde nur wenig Wert auf Konsum gelegt, aber das Atomzeitalter wurde erreicht.
Es Entwickelte sich keine Demokratie in Europa, Britannien hat sich bis nach Holland ausgebreitet, das Deutsche Kaiserreich besteht unangefochten, ebenso wie das Zarentum in Russland ("Moskowiterreich"). Letzteres wird jedoch von starken Tatarenstämmen bedroht. Die USA existieren nur als Neufrankreich und Neudänemark. (zu letzterem gehört auch ein Staat namens Texas)
Gleichzeitig trägt jeder Mensch dieser Welt einen Teil seiner Seele ausserhalb des Körpers, dargestellt durch einen sogenannten "Daemon", welcher in der Kindheit die Gestalt beliebig wechseln kann, nach der Pubertät aber die Gestalt eines bestimmten Tieres annimmt, an welchem man angeblich den Charakter des Menschen erkennen kann.
Dieser Daemon ist ein untrennbarer Teil des Menschen und kann sich normalerweise nicht weiter als einige Schritt vom Besitzer entfernen, bevor sowohl körperliche als auch emotionale Schmerzen einsetzen. Die Zerstörung des Daemons führt beim Menschen üblicherweise zu einem tödlichen Schock, beim Tod des Menschen zerfällt der Daemon binnen Sekunden zu Staub.
Durch spezielle Techniken ist es dennoch möglich Daemon und Mensch zu isolieren. So können sich Hexen beliebig weit von ihren Begleitern entfernen, ohne das das Band zerreist. Ausserdem gibt es gerüchte von afrikanischen und tartarischen Stämmen, die Gefangenen ihre Daemonen auf geschickte Art und Weise entreissen, so dass der Mensch am Leben bleibt, aber nicht viel mehr, als ein willenloser und emotionsloser Körper ist. Meist hält man das für Schauermärchen, denn der Autor vergleicht, dass ein Mensch ohne Daemon genauso gut ein Mensch ohne Kopf ein Mensch mit aufgesägtem Brustkorb und herausgerissenem Herzen sein konnte.
Diese Wesen können sprechen, richten sich aber nur selten an einen anderen Menschen als ihren Besitzer, der üblicherweise vom anderen Geschlecht ist als sein Daemon. Was ein seltener, gleichgeschlechtlicher Daemon für Auswirkungen hat, wird im Buch nicht erwähnt.
Während Interaktion zwischen Daemonen, vor allem bei Kindern, häufig ist, ist das Berühren eines Fremden Daemons durch Menschen ein Tabu, das nicht einmal im Krieg gebrochen wird. Scheinbar ist es auch fragwürdig einen Daemon zu erschießen um den Menschen zu töten.
Ein Mensch ist so niemals allein, ein Gesprächspartner, der helfen kann das Leben zu meistern, da er einen besser kennt als jeder Andere, aber nicht zwangsläufig die selbe Meinung und die gleichen Gedanken haben muss, ist immer vorhanden. Gleichzeitig kommt man zwangsläufig auf den Gedanken, wie verwundbar ein Mensch mit Daemon ist:
Ein Teil der Seele und auch ein Teil des Denkens ist immer entblößt. Oft wird im Buch beschrieben, das Menschen kalt Lügen können, ihre Daemonen dabei jedoch unruhig werden.
Auch die Gestalt des Daemons, für manche Ausdruck des Charakters ist ein wunder Punkt: Ist der Daemon beispielsweise ein kleines Insekt, ist die Gefahr durch einen Unfall zu sterben verständlicherweise sehr hoch. Ein nicht flugfähiger Daemon kann schon durch einen Sturz von einige Metern vom Menschen abgerissen werden. Im Buch wird ebenso beschrieben, dass der Daemon eines Schiffsjungen nach dessen Pubertät die Gestalt eines Delphins annahm, so dass dieser nie wieder an Land gehen konnte - aber ein vorzüglicher Navigator wurde.

So sehr ich Fanfictions verabschäue, diese Welt juckt mich in den Fingern. Naja, auf keinen Fall bevor ich die Geschichte mit dem Kühlhaus fertig habe.

Das nächste Mal: Die Charakterähnlichkeiten der Dark Materials Reihe mit den Grundkonstelationen von Anime.
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Felix M. Hummel
07 February 2007 @ 08:37 pm
Lange habe ich darauf gewartet, das Buch "99 Philosophische Rätsel" von Matrin Cohen irgendwann zu bekommen, darum war es sehr erfreulich, es für einen Spottpreis als Restposten bei Jokers zu finden. Nun hat es mich aber sehr unangenehm enttäuscht.
Der deutsche Titel ist schon etwas entschärft und besser für das Buch passende als der englische Originaltitel "101 Philosophy Questions". Die Zahl neunundneunzig kommt bereits durch eine recht willkürliche Durchnummerierung verschiedener Fragesätze zustande, so dass man sie ohne weiteres variieren kann. Ein "philosophisches Rätsel" klingt ausserdem -zutreffender- nach etwas, was man hinten in der Tageszeitung finden kann, während man eine "philosophische Frage" für etwas weltbewegendes halten könnte.
Auch das Wort "philosophische" ist im Grunde eine Übertreibung, jedenfalls in bezug auf 99. Es sind vielleicht etwas mehr oder weniger die hälfte der Rätsel, die sich tatsächlich so etwas bezeichnen lassen. Der Rest sind mehr oder weniger bekannte Logikspiele, Rechenrätsel, Interessante Naturwissenschaftliche Sachverhalte (wie zum Beispiel warum die Lichtgeschwindigkeit konstant ist) Optische Täuschungen (!) und sogar einige schlecht abgedruckte Bilder von Escher. Wenn man geizig ist, könnte man sogar die ethischen Fragen abziehen, aber da will ich mal nicht so sein. Mir scheint es so, als fasst Cohen den Begriff "Pilosohie" so auf, wie es die alten Griechen getan haben: Alles was irgendwie mit irgendwas zu tun hat, es braucht nicht mal Wissenschaft zu sein, aber es hilft. Gut, gut, darüber lässt sich streiten und ich kenn mich da nicht so gut aus, wie ich tue.
Aber wenn ich ein Buch über Philosphie kaufe, will ich nicht die Rätsel und Probleme lesen, die ich zu tausenden in Rätselbüchern, im Physik- und im Religionsunterricht schon einmal gehört habe und hier nur mit neuen Namen versehen wurden. Es gibt zwar eine Eigenleistung Cohens, aber die beschränkt sich auf Quellenarbeit, vielleicht Layout und den Glossar.
Garniert wird das ganze Werk noch mit mangelhaftem Hintergrundwissen. Man sollte schon richtig beschreiben können, was eine Skinner-Box ist, anstatt zu schwafeln, dass es ein Apperat ist, mit welchem man Hunden Elektroschoks versetzt. Die Kastenaufteilung in Huxleys "Brave New World" (gutes Buch übrigens, besser als 1984 meiner meinung nach), die hier falsch verwendet wird, ist auch noch falsch zitiert: ""Alpha" - Menschen erster Klasse "Beta" - normale Menschen und "Delta" -Fehlschläge" Wer das Huxleys Buch gelesen hat, weiß, dass Alpha die Führungs- und Wissenschaftlerschicht ist, Beta jene für komplizierte Arbeiten und Wirtschaft, Gamma für niedere technische Wartungsarbeiten und ähnliches und die kaum sprachbegabten, zwergenhaften Delta für schwere körperliche und Reinigunsarbeiten ist. Fehlschläge existieren dort nicht und alle sind glücklich, auch wenn es unmenschlich ist.
Noch bin ich nicht ganz fertig mit Cohens Buch, aber ich glaube weiter komme ich auch nicht.
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Felix M. Hummel
04 February 2007 @ 08:00 pm
Zum Geburtstag habe ich meinem Bruder die CD "Nekrophobia I - Die besten Horrorgeschichten den Welt" von LPL Records in Zusammenarbeit mit den Festa-Verlag, die ja beide einen sehr guten und respektablen Namen haben, geschenkt. Also einerseits hat das Geschenk seinen Zweck erfüllt: Er hat sich ordentlich gegruselt.
Andererseits erzählte er mir, in ziemlich zerrüttetem Zustand, wie ich sagen muss, dass bis auf eine Geschichte von Lovecraft und eine weitere eines mir nicht bekannten Autors, relativ, nun um es sanft auszudrücken "ungewöhnliche" Geschichten dort zu hören sind.
Um es unverblümt auszudrücken: Purer, perverser, tumber und detailliertester Splatter. Es wird kein Wert auf diffizile Plotlinien und hintergrünigen Schrecken gelegt, sonder mehr auf die genauste Beschreibung wie verstümmelt und zerhäckselt werden.
Ich weiß ja nicht, was sich dieser anerkannte Verlag dabei gedacht hat, so etwas zu pressen. Ich werde das mal überprüfen, auch wenn mir mein Bruder geraten hat, es gar nicht erst anzuhören. Aber der konnte auch damals auf Resident Evil nicht mehr schlafen.
Vielleicht wäre noch hinzuzufügen, dass es auf Hörbücher anscheinend keine Altersbeschränkung gibt...
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Felix M. Hummel
13 January 2007 @ 10:43 pm
Mal wieder alles so trist. Vielleicht hätte ich nicht erneut anfangen sollen, "Die Rättin" zu lesen, es ist einfach ein fürchterlich deprimierendes Buch. Es ist nicht unbedingt der Inhalt, denn wie oft geht denn die Welt schon untern, wie oft habe ich in Geschichten die Welt schon untergehen lassen? Aber meistens waren doch wir selbst, oder ein bösartiger Feind. Niemals eine graue, uns immer nahe Macht, die es eigentlich im Grunde gut mit uns meinte -auch wenn das nicht ganz richtig herausgelesen ist- und am Ende einfach eingesehen hat, dass wir nur ein böses, endgültiges Ende verdienen, brauchen, oder wollen. Darum gaben es die Ratten eben sofort.
Am deprimierendsten ist jedoch der Ton, in welchem die Rättin von unserem Ende erzählt, hämisch, dann bemitleidend und in jeder Sekunde überheblich.
Vielleicht werde ich die Blechtrommel doch noch lesen. Genug Zeit dürfte ich haben.
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